Bella Macchina
Chevrolet Corvette Rondine

Im Jahr 1966 wurde der von Pininfarina gezeichnete Fiat 124 Sport Spider, dessen Linienführung auf den Pininfarina Prototypen der Chevrolet Corvette "Rondine" von 1963 zurückgeht, auf dem Turiner Automobilsalon als Nachfolger der 1500 und 1600 FIAT-Cabriolets vorgestellt. Damit wurde die Reihe der offenen Sportwagen im Hause Fiat neben dem, im Folgejahr vom Centro Stile Fiat präsentierten Fiat 124 Sport Coupé, in der Klasse zwischen dem Fiat 850 Spider und dem Fiat Dino Spider fortgeführt.

Ferrari 275 GTS

Der Fiat 124 Sport Spider mit den gewölbten Kotflügeln und dem Pininfarina-typischen dezenten Hüftschwung ähnelte, anders als in heutigen Zeiten, so gar nicht der Limousine, deren verkürztes Chassis als Aufbaubasis Verwendung fand, sondern enthält eher viele Gemeinsamkeiten beispielsweise mit dem ebenfalls von Pininfarina entworfenen Ferrari 275 Spider. So wurde auch die Karosserie bei Pininfarina S.p.A. gefertigt und dann zur "Hochzeit" mit dem Antriebsstrang in Fiat Fabrikationsanlagen verbracht.

Unter dem Blechkleid jedoch wies der Spider viele Teile insbesondere der Mechanik auf, die aus der Limousine 124 oder 125 stammten, was letztendlich der Robustheit und vor allem dem recht günstigen Anschaffungspreis von weniger als 11.000,--DM zugute kam.

dohc-Vierzylinder

Ein Leckerbissen war der Motor mit seinem Leichtmetallzylinderkopf. 1966 wurden damit in der ersten Typenreihe aus 1,4 Liter Hubraum muntere 90 Pferdestärken mobilisiert, welche den ca. 950 kg schweren Spider über das serienmäßige 5-Gang-Getriebe (auf Wunsch 4-Gang-Getriebe) bis auf 170 km/h zu beschleunigen vermochten. 1969 wurde durch einen 100 PS starken 1,6 I-Motor, der später vor allem durch Verwendung zweier Weber-Doppelvergaser auf 110 PS kam, und ab 1972 durch ein 1,8 l-Triebwerk mit 118 PS die Leistungsfähigkeit des Spiders weiter gesteigert.

210PS starke Rennsportausführung im Fiat-Werksmuseum
Europameister 1975 mit Rosetti/Verini

Ermuntert durch Erfolge des Fiat 124 Sport Spider (in der Literatur oft auch "Spyder") 1600 im Rallyesport beispielsweise mit dem Sieg des Fahrer Europameistertitels durch Raffele Pinto 1972 entstand das Modell 124 Abarth Rallye, dessen etwas über 1000 Exemplare der Homologation für den sportlichen Einsatz bestimmt waren. Während Otto-Normalverbraucher die gebändigte 128 PS-Version für die Straße erwerben konnte, stürmten Wettbewerbswagen mit bis zu 210 PS dreimal auf erste Plätze und insgesamt 25 mal in 4 Jahren unter die ersten Sechs bei Läufen zur Rallye Weltmeisterschaft, darunter die Plätze 2 bis 4 bei der Rallye Monte Carlo 1975.

Die zurückgehende Nachfrage in Europa einerseits und die infolge der geänderten Sicherheitsbedingungen in den USA erforderliche Überarbeitung des Fahrzeuges andererseits führten dazu, daß ab 1975 ausschließlich für den amerikanischen Markt gefertigt wurde, wo der Spider zu einem echten Verkaufsschlager gedieh.

Zu den Neuerungen dieser Spider Modelle zählten im wesentlichen die massiven Sicherheitsstoßstangen sowie ein auf 86 PS gedrosselter 1,8 1-Motor, der zur Erfüllung aller Emissionsauflagen zusätzlich mit einer "Abgasverdünnungseinrichtung" versehen wurde. Ab 1979 war der Fiat 124 Sport Spider mit einem ebenfalls 86 PS starken 2,0 1-Motor mit ungeregeltem Katalysator erhältlich. Dieser Motor wurde in den Folgejahren im neu bezeichneten "Spider 2000 i.e." auf immerhin wieder 105 PS gesteigert und mit einer Bosch Benzineinspritzung und einem geregelten Katalysator versehen. Nur für den nordamerikanischen Markt wurde der Spider ab Frühjahr 1981 mit einem speziellen Nachrüst-Turbosystem als FIAT Spider Turbo angeboten. Eingebaut wurde der Lader durch die Firma Legend Industries Inc. in Long Island (NY). Die Durchzugskraft des 105 PS Motors wuchs um ein Drittel, das maximale Drehmoment war bereits bei 3600 Touren erreicht. Zwischen 1400 und 3000 U/min erreichte der Motor etwa drei Viertel seiner Leistung von 115 PS. Die genaue Zahl der bis 1982/83 entstandenen Turbo Spider ist unbekannt.

Fiat 124 Spider Deutschland e.V. 2004

Ab 1982 wurde dann auch ob der immensen Nachfrage nach dem Spider, im wesentlichen befriedigt durch sogenannte US-Reimporte, insbesondere der deutsche aber auch der übrige europäische Markt wieder über das Netz der Fiat-Händler direkt mit dem Spider versorgt, nun allerdings unter dem Namen Pininfarina Spidereuropa, weiterhin als 2,0 l-Einspritzversion mit 105 PS und auf Wunsch geregeltem Katalysator.

Pininfarina Spidereuropa Volumex

Unter dem Namen Pininfarina Spidereuropa Volumex wurde in den Jahren 1984 und 1985 eine 500 Stück-Sonderserie mit einem 135 PS starken Kompressormotor aufgelegt, der auch in diversen Lancia- und FIAT-Modellen seinen Dienst verrichtete. Der "VX" gehört neben der Abarth Rallye Version heute zu den begehrtesten Typen der gesamten Baureihe.

Als im Jahr 1985 mit dem Fiat Argenta das letzte Fiat-Modell mit Hinterradantrieb aus dem Programm genommen wurde, schlug damit auch die letzte Stunde für den Spider, der mit zwar gründlichen technischen Weiterentwicklungen wie auch optischen Änderungen vor allem im Fahrgastraum dennoch ohne Abstriche in seinem Flair somit zwanzig Jahre lang in insgesamt 198.107 Stück gebaut wurde. Nach offizieller Stellungnahme von Pininfarina wurde am 30. Juli 1985 zum Montage-Ende um 15.00 Uhr der letzte Spidereuropa, der für das Pininfarina Museum bestimmt war, mit der Fahrgestellnummer 05511780 fertiggestellt.